Die Digitalisierung kann den Alltag eines Gastronomen grundlegend verändern und es ihm ermöglichen, sich ganz seiner wahren Leidenschaft zu widmen: dem Kochen. Das war die zentrale Botschaft der jüngsten Digital Series-Konferenz, die Ende März im Swiss Digital Center in Sierre stattfand. Rund fünfzig Teilnehmer erfuhren, wie das in Siders ansässige KMU Simplidoo das Restaurant Le Lion d’Or (mit Sitz in Siders) bei seiner digitalen Transformation begleitet hat. Das Ergebnis: Jährlich werden über 80 Stunden an Verwaltungsaufgaben eingespart, die Kosten werden kontrolliert und es besteht finanzielle Transparenz in Echtzeit.
Dieser konkrete Fall wurde bei der ersten Digital Series des Jahres vorgestellt, die von der Stiftung The Ark und dem Swiss Digital Center in Zusammenarbeit mit der Walliser Industrie- und Handelskammer organisiert wurde. Le Lion d’Or ist eine bekannte Adresse in Siders. Cem Peckam, der auf zwanzig Jahre Erfahrung in der Gastronomie zurückblicken kann, übernahm 2024 die Leitung mit dem Ziel, dort lokale Produkte in einem gehobenen Ambiente anzubieten.
Ein Berg an Verwaltungsaufgaben
Hinter jedem Teller verbirgt sich ein erheblicher Verwaltungsaufwand. Kassenabschluss am Ende des Abends, Nachverfolgung von Lieferantenrechnungen, Rechnungsstellung an Kunden, Verwaltung des Dienstplans und der Arbeitszeiten des Personals, Kontrolle der Abwesenheiten, Kommunikation mit der Buchhaltungsfirma…: Die Liste ist lang. „Die Verwaltungsarbeit ist mühsam. Das ist nicht der Teil, den ich am liebsten mache. Ich stehe lieber am Herd als vor dem Computer“, fasst Cem Pekcam zusammen.
Hinzu kommt ein eklatanter Mangel an finanzieller Transparenz. Die Ergebnisse kommen oft mit mehrmonatiger Verspätung, was Korrekturmassnahmen erschwert oder sogar zu spät kommen lässt. Die Margen pro Gericht zu analysieren oder den Umsatz in Echtzeit zu verfolgen, war fast unmöglich. „All das muss neben den neun Stunden in der Küche erledigt werden, bei sinkenden Margen, zunehmendem regulatorischem Druck und steigenden Kosten“, betont Cem Pekcam.
Eine Komplettlösung statt etwa fünfzehn verschiedener Tools
Angesichts dieser Probleme sammeln viele Gastronomen immer mehr Software an: eine für die Kasse, eine für die Dienstpläne, eine weitere für E-Mails oder Reservierungen. „Man hat schnell etwa fünfzehn Tools, die nicht miteinander kommunizieren. Das führt zu doppelten Eingaben, versteckten Kosten und Ärger“, erklärt Jérémy Crettenand, Gründer des KMU Simplidoo.
Die im Lion d’Or implementierte Lösung basiert auf Odoo, einer intuitiven und skalierbaren All-in-One-Software. Simplidoo hat zunächst die Anforderungen des Restaurants analysiert, bevor schrittweise die wesentlichen Module eingeführt wurden: vernetzte Kasse, Buchhaltung mit automatischer Rechnungserfassung (OCR), Dienstplanverwaltung und virtuelle Stempeluhr, Lohn- und Urlaubsverwaltung. In einem zweiten Schritt können weitere Funktionen aktiviert werden: Lagerverwaltung, Website, Online-Reservierungen oder E-Mail-Marketing.
Der Ansatz war pragmatisch und konzentrierte sich auf das Wesentliche. „Jérémy kannte meine Situation und meine Probleme. Wir haben uns auf das Wesentliche konzentriert, damit ich so wenig Probleme wie möglich habe. Und da er sich auch mit der Buchhaltung von Restaurants auskannte, habe ich mich letztendlich eher für Jérémy als für Odoo entschieden“, verrät der Gastronom mit einem Lächeln.
Konkrete Vorteile bei Zeit, Kosten und Aufwand
Die Einarbeitung in die Software verlief schnell. „Ich bin seit zwanzig Jahren in der Gastronomie tätig, aber die Bedienung war sehr intuitiv. Im Prinzip hat man sie in einer Stunde im Griff“, berichtet Cem Pekcam.
Die Vorteile sind messbar. Der administrative Zeitgewinn wird auf über 80 Stunden pro Jahr geschätzt. Allein durch die Digitalisierung der Lieferantenrechnungen werden jeden Monat 3 bis 4 Stunden an Kosten für den Treuhänder eingespart, der nun direkt auf die Buchhaltungsbelege in Odoo zugreifen kann. Der Kassenabschluss, der früher am Ende des Abends manuell durchgeführt wurde, ist nun automatisiert.
Was die Investitionen angeht, hält sich die Rechnung in Grenzen: ein Tablet, ein Drucker und zwei Softwarelizenzen, was insgesamt etwa 600 Euro pro Jahr für Abonnements und 250 Franken für Hardware ausmacht. «Die Idee ist, die Odoo-Anwendungen so weit wie möglich zu nutzen, um mir Zeit für das zu verschaffen, was ich im Alltag tun möchte», fasst Cem Pekcam zusammen.
Das Interview fand am 24. März 2026 im Swiss Digital Center in Siders statt.